Impfungen vor und während der Schwangerschaft

Fragen und Antworten
01Welche Impfungen sind vor einer Schwangerschaft wichtig?
Vor einer geplanten Schwangerschaft sollte ein Immunitätscheck erfolgen. Einige Infektionskrankheiten können während der Schwangerschaft zu Komplikationen führen und sowohl für Mutter als auch Kind gefährlich sein.
Besonders wichtig ist eine nachgewiesene Immunität gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Da es sich um Lebendimpfstoffe handelt, die während der Schwangerschaft nicht verabreicht werden dürfen, sollten diese Impfungen spätestens 30 Tage vor einer möglichen Empfängnis abgeschlossen sein.
Kommt es dennoch versehentlich zu einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff in der Schwangerschaft, stellt dies keinen Grund für einen Schwangerschaftsabbruch dar. Nach heutigem Wissensstand ist das Risiko für Komplikationen beim ungeborenen Kind nach einer versehentlichen Impfung äusserst gering.
Eine Schwangerschaftsplanung oder Schwangerschaft ist eine gute Gelegenheit zu überprüfen, ob man bei den Impfungen allgemein auf dem neuesten Stand ist. Dazu gehören beispielsweise die Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Starrkrampf und Kinderlähmung. Ein frühzeitiger Impfstatus-Check trägt wesentlich dazu bei, Mutter und Kind bestmöglich zu schützen.
Bei geplanten Auslandsreisen können zudem zusätzliche Impfungen notwendig sein. Lassen Sie sich frühzeitig von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
02Warum ist eine Rötelnimpfung vor der Schwangerschaft wichtig?
Röteln verlaufen häufig mild, können in der Schwangerschaft jedoch gefährlich sein. Eine Infektion in den ersten 20 Schwangerschaftswochen kann zu Fehlgeburten oder schweren Fehlbildungen beim Kind führen - insbesondere des Herzens, der Augen oder des Gehörs. Auch geistige und körperliche Entwicklungsstörungen sind möglich.
Da es sich bei der Rötelnimpfung um einen Lebendimpfstoff handelt, sollte sie spätestens einen Monat vor der Empfängnis abgeschlossen sein. Bei bestehender Immunität (durch Impfung oder durchgemachte Erkrankung) besteht kein Risiko. Wer nicht immun ist, sollte vor einer geplanten Schwangerschaft geimpft werden. Während der Schwangerschaft sollte der Kontakt zu an Röteln erkrankten Personen unbedingt vermieden werden. Bei möglicher Ansteckung sollte sofort ärztlicher Rat eingeholt werden.
03Ist der Impfstatus des anderen Elternteils auch wichtig?
Ja, der Impfstatus beider Elternteile spielt eine wichtige Rolle. Ein aktueller Impfschutz, insbesondere gegen Keuchhusten, wird für den anderen Elternteil, Grosseltern und alle Kontaktpersonen des Neugeborenen empfohlen. Dies schützt das Neugeborene vor möglicherweise schweren Infektionen.
Im Winterhalbjahr ist zudem die Grippeimpfung für alle engen Kontaktpersonen von Säuglingen unter sechs Monaten empfohlen. Säuglinge haben während der ersten Lebensmonate ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Grippeerkrankung.
04Warum ist eine Masernimpfung vor der Schwangerschaft wichtig?
Masern zählen zu den ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Eine Infektion in der Schwangerschaft kann zu Fehlgeburt, Frühgeburt oder niedrigem Geburtsgewicht führen. Die Krankheit selbst verläuft oft schwer mit hohem Fieber, Erschöpfung und Ausschlag. Komplikationen wie Lungenentzündung oder Gehirnentzündung sind möglich.
Zwei Impfdosen vor der Schwangerschaft bieten einen langanhaltenden Schutz. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, darf die Masernimpfung nicht während der Schwangerschaft gegeben werden. Frauen ohne Immunität sollten engen Kontakt mit erkrankten Personen meiden und bei möglichem Kontakt sofort ihre betreuende Fachperson informieren. Eine Impfung kann direkt nach der Geburt nachgeholt werden.
05Warum ist eine Mumpsimpfung vor der Schwangerschaft wichtig?
Mumps verläuft meist mit geschwollenen Ohrspeicheldrüsen, kann aber bei Erwachsenen ernster sein. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen wie Hirnhaut-, Hoden- oder Bauchspeicheldrüsenentzündung kommen. Während der Schwangerschaft besteht zwar kein spezifisches Risiko für das ungeborene Kind, jedoch können Erkrankung und Fieber belastend sein.
Auch hier gilt: Zwei Impfdosen oder eine durchgemachte Erkrankung bieten langanhaltenden Schutz. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, ist eine Impfung während der Schwangerschaft nicht möglich. Wer nicht immun ist, sollte sich vor einer Schwangerschaft impfen lassen und engen Kontakt mit Erkrankten meiden. Bei unklarem Impfstatus hilft eine Blutuntersuchung zur Abklärung.
06Warum ist eine Windpockenimpfung vor der Schwangerschaft wichtig?
Windpocken verlaufen bei Kindern meist mild, bei Erwachsenen jedoch oft schwerer. Eine Varizellen-Infektion während der Schwangerschaft kann schwerer verlaufen als bei anderen Erwachsenen und für die werdende Mutter gefährlich sein, weil sie sich unter anderem zu einer Lungenentzündung weiterentwickeln kann. Wenn Sie sich in der ersten Hälfte der Schwangerschaft mit Varizellen anstecken, besteht für Ihr ungeborenes Baby ein geringes Komplikationsrisiko. Wenn Sie sich kurz vor der Geburt infizieren, ist das Infektionsrisiko für Ihr Neugeborenes hoch. Die Impfung mit zwei Dosen bietet wirksamen Schutz und sollte vor der Schwangerschaft abgeschlossen sein. In der Schweiz sind bereits 90 % der Erwachsenen immun, weil sie die Krankheit in der Kindheit durchgemacht haben. Wer unsicher ist, kann den Immunstatus vor einer geplanten Schwangerschaft ärztlich abklären lassen. Bei möglichem Kontakt während der Schwangerschaft sollte umgehend eine Fachperson kontaktiert werden, es gibt in bestimmten Fällen die Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe.
07Ist eine versehentliche Impfung mit einem Lebendimpfstoff in der Frühschwangerschaft gefährlich?
Wenn eine Lebendimpfung versehentlich in der Frühschwangerschaft verabreicht wurde, ist das kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Bisher gibt es keine Hinweise, dass solche Impfungen dem Kind schaden.
Dennoch wird während der Schwangerschaft von Lebendimpfstoffen abgeraten: Aus Sicherheitsgründen möchte man vermeiden, dass die abgeschwächten Erreger eventuell das ungeborene Kind erreichen – auch wenn dies sehr unwahrscheinlich ist.
08Wie funktioniert der sogenannte Nestschutz?
Eine besondere Form der passiven Immunisierung ist der sogenannte Nestschutz. Dabei werden schützende Antikörper von der Mutter auf das Kind übertragen: während der Schwangerschaft über die Plazenta oder nach der Geburt durch die Muttermilch. So erhält das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten einen Schutz vor bestimmten Infektionen. Die Keuchhusten-Impfung wird aus diesem Grund in der Schwangerschaft empfohlen: Sie nutzt den Nestschutz, um das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten zu schützen, da Keuchhusten in dieser Zeit besonders gefährlich sein kann. Der Nestschutz hält nur einige Monate an, deshalb ist es wichtig, Säuglinge rechtzeitig mit den empfohlenen Impfungen zu schützen.
09Warum sollten bestimmte unvollständige Impfungen bei der Mutter sofort nach der Geburt vervollständigt werden?
Nach der Geburt ist ein guter Zeitpunkt, um fehlende Impfungen wie gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken nachzuholen. Diese Impfungen mit Lebendimpfstoffen dürfen während der Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Ein vollständiger Impfschutz schützt vor entsprechenden Erkrankungen und ist auch für die Gesundheit der Mutter und eines zukünftigen Kindes bei einer späteren Schwangerschaft von Bedeutung. Impfungen können problemlos auch während der Stillzeit erfolgen.
