
Sich selbst und andere schützen
So kommen die offiziellen Impfempfehlungen zustande

Fragen und Antworten
01Gibt es Risiken beim Impfen?
Impfstoffe gehören zu den sichersten Arzneimitteln der Medizin.
Wie jedes Medikament kann auch ein Impfstoff Nebenwirkungen haben. Nach einer Impfung kann es zu vorübergehenden Impfreaktionen kommen: Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Unwohlsein, Fieber. Solche Reaktionen zeigen, dass der Körper den Schutz gegen die Krankheit aufbaut. Sie sind meistens schwach und bald wieder vorbei.
Schwere und länger andauernde Nebenwirkungen nach Impfungen können vorkommen, sind jedoch sehr selten. Sie treten viel seltener auf als die Komplikationen der jeweiligen Krankheiten. Eine Impfung wird nur dann empfohlen, wenn ihr Nutzen die Risiken um ein Vielfaches übertrifft.
Wenn nach einer Impfung ein unerwartetes gesundheitliches Problem auftritt, kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
02Welche Gründe sprechen gegen eine Impfung?
Bei akuter, schwerer Krankheit soll die Impfung verschoben werden.
Die impfende Fachperson klärt ab, ob aus einem besonderen Grund mit einem bestimmten Impfstoff nicht geimpft werden kann (z. B. bei Schwangerschaft, schwerer Allergie, Immunschwäche usw.).
03Sind Impfungen freiwillig?
Ja, Impfungen in der Schweiz sind freiwillig.
Eine Impfpflicht ist nicht vorgesehen.
04Was bedeutet Gemeinschaftsschutz – und warum ist er so wichtig?
Gemeinschaftsschutz (oft auch «Herdenimmunität» genannt) entsteht, wenn ein grosser Teil der Bevölkerung gegen eine bestimmte ansteckende Krankheit immun ist – zum Beispiel durch Impfungen oder eine überstandene Erkrankung.
Das schützt nicht nur die Immunisierten selbst, sondern auch Menschen, die besonders gefährdet sind und keinen ausreichenden Eigenschutz haben – etwa Säuglinge, ältere Personen oder Menschen mit bestimmten Erkrankungen. Wenn viele geschützt sind, sinkt das Risiko, dass der Erreger weitergegeben wird.
Wer sich impfen lässt, schützt also nicht nur sich selbst, sondern trägt oft auch zum Schutz anderer bei. Bei Krankheiten, gegen die eine längerfristige Immunität möglich ist, leisten Impfungen einen wichtigen Beitrag zum Gemeinschaftsschutz – und damit zur Gesundheit der gesamten Bevölkerung.
05Wer trägt die Kosten für eine Impfung?
Informationen zur Kostenübernahme von Impfungen und Impfstoffen durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) finden Sie auf der BAG-Webseite Kostenübernahme bei Impfungen.
Seit dem 1. Januar 2026 sind die Impfungen nach Artikel 12a KLV und die dazugehörige Beratung von der Franchise befreit. Der Selbstbehalt für die Versicherten bleibt unverändert.
06Sind Impfstoffe sicher?
Sämtliche in der Schweiz zugelassenen Impfstoffe wurden gründlich auf Sicherheit getestet und durchliefen alle notwendigen Testphasen. Impfstoffe mit einer Zulassung von Swissmedic müssen äusserst strenge Sicherheitskriterien erfüllen und erhalten erst dann ihre Zulassung, wenn die Risiken zu erkranken mögliche Nebenwirkungen klar überwiegen.
Vorübergehende Impfreaktionen wie Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert und einen Schutz gegen die Krankheit aufbaut.
Schwere Nebenwirkungen sind äusserst selten und müssen vom medizinischen Fachpersonal an Swissmedic gemeldet werden.
07Wie wird ein Impfstoff entwickelt, geprüft und zugelassen?
Impfstoffe zu entwickeln und herzustellen, ist komplex und aufwändig. Die Anforderungen an die Qualität, die Wirksamkeit und insbesondere die Sicherheit sind hoch. Deshalb muss die Herstellung eines Impfstoffes unterschiedliche Entwicklungsphasen durchlaufen. Nur wenn eine Phase gute Ergebnisse zeigt, kommt der Impfstoff in die nächste Phase der Weiterentwicklung.
1. Vorklinische Phase
Der Impfstoff wird im Labor und an Tieren getestet.
2. Klinische Phase
Die klinische Erprobung unterteilt sich in drei Phasen:
- Klinische Phase I:
An einer kleinen Zahl von gesunden Freiwilligen wird erstmals geprüft, wie der Mensch auf den Impfstoff reagiert und wie verträglich verschiedene Dosierungen sind. Dosierung heisst, wie oft und mit welcher Menge geimpft wird. In dieser Phase können auch erste häufig auftretende Nebenwirkungen erkannt werden.
- Klinische Phase II:
In dieser Phase wird der Impfstoff an mehreren hundert Freiwilligen geprüft. Dabei zeigt sich, ob der Impfstoff die gewünschte Immunität auslöst und welche Dosierung optimal ist. Zudem werden Erkenntnisse über die Häufigkeit und den Schweregrad von möglichen Nebenwirkungen gesammelt.
- Klinische Phase III:
Nun wird der Impfstoff an mehreren tausend Freiwilligen getestet. Diese Phase zeigt, ob der Impfstoff auch tatsächlich vor der Krankheit schützt. Zudem werden seltene Nebenwirkungen und Risiken erkannt. Es wird ausserdem überprüft, für welche Alters- oder Bevölkerungsgruppen der Impfstoff eingesetzt werden kann
- Zulassungsverfahren:
In der Schweiz ist Swissmedic für die Zulassung zuständig und entscheidet, ob ein Impfstoff zugelassen wird.
Wenn der Impfstoffhersteller ein Zulassungsgesuch einreicht, werden in einem nächsten Schritt alle vorliegenden Ergebnisse der klinischen Phasen I – III durch Swissmedic überprüft. Kann Swissmedic die Wirksamkeit, die Sicherheit und die Qualität des Impfstoffes bestätigen, erteilt sie die Marktzulassung für die Schweiz.
Ist ein Impfstoff zugelassen, wird vom Bundesamt für Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) eine Impfempfehlung für die Bevölkerung ausgesprochen. Eine Impfung wird nur empfohlen, wenn der Nutzen durch verhinderte Krankheiten und deren Komplikationen die mit den Impfungen verbundenen Risiken um ein Vielfaches übertrifft.
3. Folgestudien (Phase IV)
Auch nach der Zulassung müssen Impfstoffhersteller die Sicherheit, die Wirksamkeit und die Qualität weiterverfolgen. Die Hersteller prüfen laufend, ob seltene oder schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten und melden diese Swissmedic. Ebenfalls wird die Verträglichkeit des Impfstoffes in Bevölkerungsgruppen geklärt, welche in vorhergehenden Studien nicht eingeschlossen waren.
Die Entwicklung bis zur Zulassung eines Impfstoffes kurz erklärt
