Windpocken

Windpocken (Varizellen) sind eine hochansteckende Virusinfektion mit Fieber und juckendem Hautausschlag, die vor allem im Kindesalter auftritt. Die Erkrankung verläuft meist mild, kann bei Jugendlichen und Erwachsenen aber Komplikationen verursachen. Zudem bleibt das Virus im Körper und kann später Gürtelrose auslösen. Die Impfung schützt wirksam.

Kurz und knapp: Die Impfung gegen Windpocken

Empfohlen für

  • alle Kinder ab 9 Monaten (als Basisimpfung)
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Impflücken (als Nachholimpfung)

Impfschema

  • Kinder: zwei Impfdosen, je eine im Alter von 9 und 12 Monaten  
  • Nachholimpfung: ein bis zwei Impfdosen für Personen im Alter von 13 Monaten bis 39 Jahren, die noch nicht an Windpocken erkrankt sind und noch keine zwei Impfdosen erhalten haben

Warum ist die Windpocken-Impfung sinnvoll?

Auch wenn Windpocken im Kindesalter häufig mild verlaufen, steigt das Risiko für Komplikationen im Jugend- und Erwachsenenalter deutlich an. Zudem kann das Virus nach einer Erkrankung im Körper verbleiben und später als Gürtelrose wieder aktiv werden. Die Impfung schützt vor der Erkrankung und ihren möglichen Folgen.

Erhöhtes Risiko im Jugend- und Erwachsenenalter
Während Windpocken bei Kindern meist mild verlaufen, nehmen Häufigkeit und Schwere von Komplikationen mit zunehmendem Alter zu. Jugendliche und Erwachsene erkranken häufiger schwerer und benötigen eher eine ärztliche Behandlung.
Mögliche Komplikationen vermeiden
Bei einer Windpocken-Erkrankung können gelegentlich Komplikationen wie bakterielle Infektionen der Haut auftreten. Selten kommt es zu schweren Verläufen mit Lungenentzündung oder Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute. Das Risiko für solche Komplikationen ist bei Erwachsenen höher als bei Kindern.
Besonders gefährdete Personen schützen
Ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe besteht bei Neugeborenen, Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie bei schwangeren Frauen. Bei einer Infektion während der Schwangerschaft kann es zudem zu Fehlbildungen beim ungeborenen Kind kommen.
Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt
Die Behandlung von Windpocken beschränkt sich meist auf die Linderung der Symptome. In bestimmten Fällen können Medikamente eingesetzt werden, die die Vermehrung des Virus hemmen. 
Spätfolgen wie Gürtelrose verhindern
Nach einer Windpocken-Erkrankung verbleibt das Virus lebenslang im Körper und kann später als Gürtelrose wieder aktiv werden. Gürtelrose tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf, ist oft sehr schmerzhaft und kann zu lang anhaltenden Beschwerden führen. Die Impfung verringert dieses Risiko.

Impfkalender für Windpocken

Die Windpocken-Impfung wird bei Kindern meist als Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV) in einer einzigen Spritze verabreicht.

ImpfungAlter in MonatenAlter in Jahren
023 - 44591212 - 184 - 711 - 152545ab 65

Windpocken

Varizellen

1)

Masern

Mumps

Röteln

Schutz und mögliche Nebenwirkungen

Die Windpocken-Impfung senkt das Risiko einer Erkrankung deutlich und schützt vor schweren Verläufen und Komplikationen. Wie jedes Medikament kann auch ein Impfstoff Nebenwirkungen haben. Sie sind meist mild und klingen nach 1 bis 3 Tagen ab.

Schutz

Das Wichtigste in Kürze

Die Impfung schützt wirksam vor einer Erkrankung und vor schweren Verläufen. Sie reduziert zudem das Risiko für eine spätere Gürtelrose. Sie ist für alle Personen sinnvoll, die noch keinen Schutz gegen Windpocken haben.

Schutz vor Windpocken

Nach zwei Impfdosen schützt die Windpocken- bzw. MMRV-Impfung zu etwa 92 % vor leichten bis mittelschweren Erkrankungen und zu etwa 98 % vor schweren Verläufen und Komplikationen.

Reduzierung schwerer Verläufe

Auch wenn die Impfung keinen vollständigen Schutz vor einer Ansteckung bietet, senkt sie das Risiko für schwere Krankheitsverläufe deutlich. In der Schweiz müssen jedes Jahr durchschnittlich 146 Personen wegen Komplikationen durch das Windpocken-Virus im Spital behandelt werden.

Verringerung des Gürtelrose-Risikos

Da das Windpocken-Virus nach einer Erkrankung im Körper verbleiben kann, besteht später das Risiko einer Gürtelrose. Die Impfung reduziert dieses Risiko.

Mögliche Nebenwirkungen

Das Wichtigste in Kürze

Die Windpocken- / MMRV-Impfung gilt als sehr sicher und wird weltweit seit vielen Jahren eingesetzt. Häufige Nebenwirkungen gelten als normale Impfreaktionen – sie zeigen, dass das Immunsystem arbeitet. Auch ohne solche Reaktionen ist die Impfung wirksam.

Häufige Nebenwirkungen

Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, kleine Schwellungen oder Schmerzen

MMRV-Impfstoff: 
10–20 von 100 Geimpften: Fieber 
Diese Reaktionen klingen nach 1 bis 3 Tagen von selbst ab

Häufige Nebenwirkungen bei Frauen

MMRV-Impfstoff: 
Bei erwachsenen Frauen können nach 1 bis 2 Wochen vorübergehend Gelenkschmerzen auftreten.

Gelegentliche Nebenwirkungen

Etwa 1 bis 2 Wochen nach der Impfung: feine rote Hautflecken am ganzen Körper (nicht ansteckend) oder Fieber. Diese Beschwerden können 1 bis 3 Tage dauern.

Seltene Nebenwirkungen bei Säuglingen

Etwa 1 von 2'000 geimpften Säuglingen: Fieberkrampf (meist etwa 7-12 Tage nach der ersten Impfdosis). Fieberkrämpfe hinterlassen keine bleibenden Schäden.

Sehr seltene Nebenwirkungen

MMRV-Impfstoff: 
1 von 30’000 Geimpften: vorübergehende leichte Senkung der Blutplättchen (kleine Hautblutungen möglich).

Impfstoff

Den Windpocken-Impfstoff gibt es als Kombinationsimpfstoff zusammen mit den Impfstoffen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMRV). Er ist auch als Einzelimpfstoff nur gegen Windpocken erhältlich.

Der Windpocken-Impfstoff ist ein sogenannter Lebendimpfstoff.
Lebendimpfstoffe haben eine lange Tradition und bieten dank abgeschwächter Erreger einen starken, langanhaltenden Schutz. Erfahren Sie hier, wie ein Lebendimpfstoff wirkt.

Fragen und Antworten

Warum wird die Windpocken-Impfung bereits im Säuglingsalter für alle Kinder empfohlen?open

Seit 2023 wird die Windpocken-Impfung allen Kindern im Alter von 9 und 12 Monaten empfohlen. Ziel ist es, Erkrankungen und Komplikationen frühzeitig zu verhindern und das Risiko für eine spätere Gürtelrose zu verringern. Wenn viele Personen geschützt sind, kann sich das Virus weniger verbreiten. Dadurch profitieren auch Menschen, die nicht geimpft werden können.

Bin ich immun, wenn ich als Kind Windpocken hatte?open

Ja. Nach einer durchgemachten Windpocken-Erkrankung besteht in der Regel ein lebenslanger Schutz vor einer erneuten Erkrankung.

Kann die Windpocken-Impfung eine spätere Gürtelrose verhindern?open

Eine Gürtelrose ist trotz Impfung möglich. Das Risiko ist jedoch geringer als nach einer natürlichen Windpocken-Erkrankung. Falls es dennoch zu einer Gürtelrose kommt, verläuft sie meist milder.

Kann ich trotz Impfung Windpocken bekommen?open

Kein Impfstoff bietet einen 100-prozentigen Schutz. Die Windpocken-Impfung senkt das Risiko einer Erkrankung jedoch deutlich. Falls es trotz Impfung zu einer Infektion kommt, verläuft sie in der Regel milder und mit weniger Komplikationen.

Kann die Impfung Windpocken auslösen?open

Der Windpocken-Impfstoff ist ein sogenannter Lebendimpfstoff. Er enthält abgeschwächte Viren, die keine echte Erkrankung auslösen. In seltenen Fällen kann nach der Impfung ein sehr milder Hautausschlag auftreten. Dieser ist nicht mit einer Windpocken-Erkrankung vergleichbar und nicht ansteckend.

Was bedeutet MMRV?open

MMRV ist ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (Windpocken). Mit einer einzigen Impfung wird gleichzeitig ein Schutz vor diesen vier Krankheiten aufgebaut.

Wann sollte nicht gegen Windpocken geimpft werden?open

Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, kann die Impfung bei einer leichten akuten Erkrankung um einige Wochen verschoben werden. Schwangere Frauen sowie Personen mit einer Immunschwäche sollten den MMRV- oder den Windpocken-Impfstoff nicht erhalten.

Wann sollte geimpft werden, wenn ein Kinderwunsch besteht?open

Bei bestehendem Kinderwunsch sollte der Impfschutz gegen Windpocken möglichst vor einer Schwangerschaft überprüft und gegebenenfalls vervollständigt werden. Frauen dürfen während der Schwangerschaft nicht mit einem Lebendimpfstoff wie dem MMRV- oder Windpocken-Impfstoff geimpft werden.

Wie gefährlich sind Windpocken in der Schwangerschaft?open

Eine Windpocken-Erkrankung kann bei Schwangeren schwerer verlaufen und unter anderem zu einer Lungenentzündung führen. Das Risiko für das ungeborene Kind hängt vom Zeitpunkt der Infektion ab: Infiziert sich die Mutter in der frühen Schwangerschaft, besteht ein geringes Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind. Infiziert sie sich kurz vor der Geburt, ist das Ansteckungsrisiko für das Neugeborene hoch, und es kann schwer erkranken. Schwangere ohne nachgewiesene Immunität durch vollständige Impfung oder durchgemachte Erkrankung sollten den Kontakt mit erkrankten Personen vermeiden.

Wer trägt die Kosten für die Windpocken-Impfung?open

Informationen zur Kostenübernahme von Impfungen und Impfstoffen durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) finden Sie auf der BAG-Webseite Kostenübernahme bei Impfungen.

Geschichte rund um die Windpocken-Impfung

Die Windpocken-Impfung wurde in der Schweiz seit 2004 für Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren empfohlen, die noch nicht an Windpocken erkrankt waren. Zudem wurde sie für Kinder mit erhöhtem Risiko empfohlen.

Seit 2023 wird die Impfung für alle Säuglinge empfohlen, möglichst als kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV).

Mit der Ausweitung der Impfempfehlung sollen Erkrankungen und Komplikationen frühzeitig verhindert und das Risiko für eine spätere Gürtelrose verringert werden. Wenn viele Personen geschützt sind, kann sich das Virus zudem weniger verbreiten.