Röteln

Röteln sind eine hochansteckende Viruserkrankung. Sie verlaufen oft mild und zeigen sich durch einen typischen feinfleckigen Hautausschlag. Während der Schwangerschaft können sie jedoch zu schweren Schäden beim ungeborenen Kind führen. Die Impfung schützt zuverlässig und wird ab dem Säuglingsalter empfohlen.

Kurz und knapp: Die Impfung gegen Röteln

Empfohlen für

  • alle Kinder ab 9 Monaten (als Basisimpfung)
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Impflücken (als Nachholimpfung); 
    besonders wichtig für Frauen vor einer Schwangerschaft

Impfschema

  • für Kinder: zwei Impfdosen, je eine im Alter von 9 und 12 Monaten
  • Nachholimpfung: ein bis zwei Impfdosen für Personen, die nach 1963 geboren wurden und nicht oder unvollständig geimpft sind

Warum ist die Röteln-Impfung wichtig?

Erkrankt eine Frau während der Schwangerschaft an Röteln, kann das ungeborene Kind schwere Schäden oder Fehlbildungen erleiden. Die Impfung schützt zuverlässig. Frauen sollten daher vor einer Schwangerschaft durch zwei Impfdosen geschützt sein, da die Impfung während der Schwangerschaft nicht möglich ist. Auch beim Partner oder bei der Partnerin sollte eine Immunität bestehen.

Hohes Ansteckungsrisiko
Röteln sind sehr ansteckend und werden vor allem durch Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt etwa eine Woche vor den ersten Symptomen und hält bis eine Woche danach an. Bis zu 50 % der Infektionen verlaufen ohne erkennbare Krankheitszeichen.
Das ungeborene Kind schützen
Röteln gehören zu den häufigsten Ursachen für infektionsbedingte angeborene Fehlbildungen. Besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel kann das Virus das ungeborene Kind infizieren und schwere Schäden wie Herzfehler, Blindheit, Taubheit, geistige Behinderungen oder Fehlgeburten verursachen.
Mögliche Komplikationen vermeiden
Neben allgemeinen Krankheitszeichen und einer Bindehautentzündung können Röteln bei Erwachsenen auch vorübergehende Gelenkbeschwerden verursachen. Selten kommt es zu weiteren Komplikationen wie Bronchitis, Ohrentzündung sowie Entzündungen des Gehirns, des Herzmuskels oder des Herzbeutels. Mit zunehmendem Alter treten Komplikationen häufiger auf.
Langfristigen Schutz erhalten
Wer vollständig mit zwei Dosen geimpft ist, ist in der Regel lebenslang vor Röteln geschützt. Die Impfung schützt fast alle Geimpften vor einer Erkrankung.
Zur Eliminierung der Krankheit beitragen
Die europäischen WHO-Mitgliedstaaten, darunter auch die Schweiz, wollen Röteln eliminieren. Wegen Impflücken kommt es jedoch weiterhin zu Ausbrüchen. Nur wenn mindestens 95 % der Bevölkerung geimpft sind, lässt sich die Ausbreitung dauerhaft verhindern.

Impfkalender für Röteln

Die Röteln-Impfung wird bei Kindern meist als Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV) in einer einzigen Spritze verabreicht.

ImpfungAlter in MonatenAlter in Jahren
023 - 44591212 - 184 - 711 - 152545ab 65

Röteln

Masern

Mumps

Windpocken

Varizellen

1)

Schutz und mögliche Nebenwirkungen

Wie jedes Medikament kann auch ein Impfstoff Nebenwirkungen haben. Sie sind meist mild und klingen nach 1 bis 3 Tagen ab.

Schutz

Das Wichtigste in Kürze

Die Impfung schützt zuverlässig vor Röteln und deren Folgen, insbesondere vor Komplikationen bei einer Infektion während der Schwangerschaft. Sie ist für alle Personen sinnvoll, die noch keinen Schutz gegen Röteln haben.

Schutz vor Röteln

Nach zwei Impfdosen sind etwa 97 % der geimpften Personen lebenslang vor Röteln geschützt.

Schützt das ungeborene Kind

Die Impfung verhindert Fehlgeburten sowie bleibende Schäden oder Fehlbildungen beim Neugeborenen bei einer Rötelninfektion in der Schwangerschaft.

Weniger Komplikationen bei Erwachsenen

Die Impfung senkt das Risiko für schmerzhafte und länger anhaltende Gelenkentzündungen sowie weitere Komplikationen.

Mögliche Nebenwirkungen

Das Wichtigste in Kürze

Die Röteln- /MMR(V)-Impfung gilt als sehr sicher und wird weltweit seit vielen Jahren eingesetzt. Häufige Nebenwirkungen gelten als normale Impfreaktionen – sie zeigen, dass das Immunsystem arbeitet. Auch ohne solche Reaktionen ist die Impfung wirksam.

Häufige Nebenwirkungen

Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, kleine Schwellungen oder Schmerzen. 
10–20 von 100 Geimpften: Fieber
Diese Reaktionen klingen nach 1 bis 3 Tagen von selbst ab. 

Häufige Nebenwirkungen

Etwa 1 bis 2 Wochen nach der Impfung: 
2-4 von 100 Geimpften: feine rote Hautflecken (nicht ansteckend), leichte Schwellung der Speicheldrüsen oder hohes Fieber. Diese Beschwerden können 1 bis 3 Tage dauern.

Häufige Nebenwirkungen bei Frauen

Bei erwachsenen Frauen können nach 1 bis 2 Wochen vorübergehend Gelenkschmerzen auftreten.

Seltene Nebenwirkungen bei Säuglingen

Etwa 1 von 2'000 geimpften Säuglingen: Fieberkrampf (etwa 7-12 Tage nach der ersten Impfdosis). Fieberkrämpfe hinterlassen keine bleibenden Schäden.

Sehr seltene Nebenwirkungen

1 von 30’000 Geimpften: vorübergehende leichte Senkung der Blutplättchen (kleine Hautblutungen möglich).
Tritt nach der Impfung viel seltener auf als bei einer Röteln-Erkrankung.

Impfstoff

Den Röteln-Impfstoff gibt es nur als Kombinationsimpfstoff zusammen mit den Impfstoffen gegen Masern und Mumps (MMR) oder zusätzlich gegen Windpocken (MMRV).

Der Röteln-Impfstoff ist ein sogenannter Lebendimpfstoff.
Lebendimpfstoffe haben eine lange Tradition und bieten dank abgeschwächter Erreger einen starken, langanhaltenden Schutz. Erfahren Sie hier, wie ein Lebendimpfstoff wirkt.

Fragen und Antworten

Warum ist eine Immunität gegen Röteln vor einer Schwangerschaft wichtig?open

Röteln können für das ungeborene Kind gefährlich sein. Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft mit dem Röteln-Virus, kann es zu Fehlgeburten oder zu schweren angeborenen Fehlbildungen sowie zu geistigen und körperlichen Entwicklungsstörungen kommen. Besonders hoch ist das Risiko in den ersten Monaten der Schwangerschaft.

Deshalb sollte bereits vor einer geplanten Schwangerschaft eine Immunität bestehen – entweder durch zwei Impfdosen oder durch eine frühere Röteln-Erkrankung.

Wer durch eine vollständige Impfung oder eine durchgemachte Erkrankung gegen Röteln immun ist, ist in der Regel lebenslang geschützt.

Wann sollte geimpft werden, wenn ein Kinderwunsch besteht?open

Frauen mit Kinderwunsch sollten ihren Röteln-Impfschutz möglichst frühzeitig – idealerweise bereits während der Familienplanung – überprüfen und gegebenenfalls vervollständigen.

Da der Impfstoff ein Lebendimpfstoff ist, sollte nach der Impfung mindestens ein Monat vergehen, bevor eine Schwangerschaft eintritt. Während der Schwangerschaft wird die Röteln-Impfung nicht durchgeführt.

Eine Röteln-Infektion kann besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel für das ungeborene Kind gefährlich sein. Deshalb ist es wichtig, den Impfschutz rechtzeitig vor einer Schwangerschaft abzuklären.

Kann ich in der Schwangerschaft oder Stillzeit gegen Röteln geimpft werden?open

Der Impfstoff gegen Röteln ist ein sogenannter Lebendimpfstoff. Das bedeutet, dass er abgeschwächte Viren enthält. Lebendimpfstoffe werden in der Schwangerschaft grundsätzlich nicht verabreicht. Nach einer Impfung sollte daher eine Schwangerschaft für einen Monat vermieden werden.

Wird eine Frau dennoch versehentlich während der Schwangerschaft geimpft, ist das Risiko für Komplikationen beim ungeborenen Kind nach aktuellem Wissensstand äusserst gering. Eine solche Impfung ist kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch.

Besteht noch kein Schutz gegen Röteln, kann die Impfung direkt nach der Geburt nachgeholt werden. In der Stillzeit ist die Röteln-Impfung uneingeschränkt möglich. Sie schützt die Mutter vor einer Ansteckung und verringert so das Risiko, dass sich das Neugeborene infiziert, bevor es selbst geimpft werden kann.

Können die Viren im Röteln-Lebendimpfstoff ansteckend sein?open

Nach einer Röteln-Impfung können milde Beschwerden auftreten, die einer leichten Röteln-Erkrankung ähneln. Dazu gehören zum Beispiel Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten, Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen oder gelegentlich Gelenkbeschwerden. Solche Reaktionen treten bei Erwachsenen häufiger auf als bei Kindern.

In den ersten ein bis drei Wochen nach der Impfung kann das abgeschwächte Impfvirus in sehr geringem Ausmass im Nasen-Rachen-Raum nachweisbar sein. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass geimpfte Personen das Virus auf andere Menschen übertragen können.

Seit wann werden in der Schweiz die Kombinationsimpfstoffe MMR und MMRV eingesetzt?open

Der Kombinationsimpfstoff MMR gegen Masern, Mumps und Röteln wird in der Schweiz seit den 1960er-Jahren verwendet. 2005 wurde der bewährte Impfstoff um die Komponente gegen Windpocken (Varizellen) erweitert, sodass der Kombinationsimpfstoff MMRV entstand. Er wird in der Schweiz seit 2023 eingesetzt. Der Vorteil von Kombinationsimpfstoffen besteht darin, dass mit nur einer Spritze gleichzeitig ein Schutz gegen mehrere Krankheiten aufgebaut werden kann.

Wer trägt die Kosten für die Röteln-Impfung?open

Informationen zur Kostenübernahme von Impfungen und Impfstoffen durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) finden Sie auf der BAG-Webseite Kostenübernahme bei Impfungen.

Geschichte rund um die Röteln-Impfung

Die Röteln-Impfung wurde in der Schweiz seit 1973 empfohlen, zunächst nur für Mädchen im Alter von 15 Jahren.

Seit 1976 wird die kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) für alle Kinder empfohlen. Sie wurde seither millionenfach verabreicht. Anfangs war eine Dosis vorgesehen; seit 1997 werden zwei Impfdosen empfohlen, um den Schutz zu verbessern.