Faktencheck

Informationen zu Impfungen verstehen und einordnen. Erfahren Sie, woran Sie verlässliche Quellen erkennen und wie Sie Aussagen zu Impfungen anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse beurteilen können.

Was sind Fehlinformationen?

Fehlinformationen sind nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) falsche oder irreführende Informationen – unabhängig davon, ob damit bewusst Schaden angerichtet werden soll. Häufig werden Fakten mit Gerüchten und Mythen sowie mit persönlichen Erfahrungen und Meinungen vermischt oder Informationen aus dem Zusammenhang gerissen. Dadurch sind Fehlinformationen oft schwer zu erkennen.

Warum Fehlinformationen überzeugend wirken können

Viele Menschen kennen das: Ein Beitrag wirkt auf den ersten Blick überzeugend, beruhigend, schockierend oder sogar spannend. Das ist verständlich – besonders dann, wenn für komplexe oder emotional aufgeladene Themen scheinbar einfache und klare Antworten angeboten werden.

Einfache Antworten sind verlockend

Fehlinformationen vereinfachen komplexe Themen oft zu klaren und leicht verständlichen Botschaften. Dadurch wirken sie einleuchtend und häufig glaubwürdiger, als sie tatsächlich sind.

Plausibel bedeutet nicht automatisch wahr

Wenn für ein Problem eine plausible Lösung angeboten wird, erscheint sie schnell glaubwürdig – auch wenn sie nicht zutrifft. Deshalb lohnt es sich, auch bei scheinbar einleuchtenden Aussagen genauer hinzuschauen. Dass regelmässiges Knackenlassen der Fingergelenke Arthrose oder Arthritis verursacht, ist eine weit verbreitete Annahme und klingt durchaus plausibel. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass kein Zusammenhang besteht.

Warum sich Informationen so leicht verbreiten

Informationen verbreiten sich besonders leicht, wenn sie an bestehende Überzeugungen oder Gefühle anknüpfen. In digitalen Medien können Inhalte innerhalb kürzester Zeit viele Menschen erreichen. Glaubwürdig wirkende Fehlinformationen können sich also leicht verbreiten, Zweifel wecken und sogar gefährliche Folgen haben. Korrekte, faktenbasierte Informationen erregen dagegen häufig weniger Aufsehen. Umso wichtiger ist es, sie weiterzugeben – und das kann genauso einfach sein.

Warum sich Fehlinformationen so schnell verbreiten

Fehlinformationen können besonders ansprechend sein, wenn sie neu oder überraschend sind oder starke Gefühle wie Angst, Wut oder Begeisterung auslösen. Solche Reaktionen können dazu führen, dass Menschen Informationen schneller aufgreifen und teilen. Während eine Behauptung innerhalb von Sekunden weitergegeben werden kann, dauert es oft länger, die wissenschaftlichen Erkenntnisse dahinter zu prüfen. So können sich Fehlinformationen verbreiten, bevor sie überprüft oder richtiggestellt werden.

Ziel ist es nicht, Fragen oder Bedenken abzutun. Vielmehr geht es darum, besser zu verstehen, wie Informationen und Fehlinformationen verbreitet werden und wie sie sich kritisch prüfen lassen. Dabei hilft es, darauf zu achten, woher die wissenschaftlichen Erkenntnisse stammen und wie verlässlich die Quellen sind.

Was kann ich tun?

Erst innehalten, dann teilenopen

In sozialen Medien oder im Gespräch reagieren wir oft spontan auf Informationen – besonders dann, wenn sie beunruhigend, dringend, bestätigend oder überraschend wirken. Fehlinformationen verbreiten sich häufig, weil sie genau diese Reaktionen auslösen, bevor Zeit bleibt, darüber nachzudenken und sie zu beurteilen. Wer einen Moment innehält, bevor Informationen mit «Gefällt mir» markiert, geteilt oder wiederholt werden, schafft Raum, um genauer hinzuschauen und zu prüfen, woher sie stammen und ob sie stimmen.

Ein zweiter Blick lohnt sichopen

Beiträge in sozialen Medien, kurze Videos oder persönliche Erfahrungsberichte können den Eindruck vermitteln, komplexe Gesundheitsthemen seien einfach und eindeutig. Fehlinformationen stützen sich häufig auf ein einzelnes eindrückliches Erlebnis, eine einzelne Studie oder ein seltenes Ereignis, ohne den grösseren Zusammenhang zu zeigen. Dadurch können sie sehr überzeugend wirken und besonders gut in Erinnerung bleiben – auch wenn sie nicht das Gesamtbild widerspiegeln.

Folgende Fragen können dabei helfen, Gesundheitsinformationen einzuordnen:

•Stützt sich die Aussage auf ein einzelnes Beispiel oder auf mehrere?

•Werden sowohl Nutzen als auch Risiken erklärt?

•Fehlen wichtige Informationen oder Zusammenhänge?

•Beruht die Aussage auf wissenschaftlicher Forschung oder auf persönlichen Meinungen und Erfahrungen?

In sozialen Medien sehen wir häufig Inhalte, die zu unseren bisherigen Interessen und Ansichten passen. Dadurch kann ein einseitiges Bild entstehen. Es lohnt sich deshalb, Informationen aus verschiedenen Quellen zu vergleichen und auch offizielle und wissenschaftlich fundierte Informationsangebote einzubeziehen.

KI-Anwendungen können dabei helfen, Informationen zu finden oder verständlich zusammenzufassen. Ihre Antworten können jedoch unvollständig, veraltet oder falsch sein. Auch die Art, wie eine Frage gestellt wird, kann die Antwort beeinflussen. Bei Antworten von KI-Anwendungen zu Gesundheitsthemen sollte deshalb geprüft werden, auf welche Quellen sie sich stützen. Wichtige gesundheitliche Entscheidungen sollten nicht allein auf einer KI-Antwort beruhen.

Verlässliche Gesundheitsinformationen orientieren sich am aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Einzelne Aussagen oder Erfahrungen reichen in der Regel nicht aus, um gut informierte gesundheitliche Entscheidungen zu treffen.

Nicht nur das Was, sondern auch das Wie beachtenopen

Die Art, wie Informationen vermittelt werden, kann wichtige Hinweise auf ihre Verlässlichkeit geben. Fehlinformationen sind oft darauf ausgelegt, möglichst schnell Aufmerksamkeit zu erregen und starke Gefühle auszulösen. Sie arbeiten beispielsweise mit beunruhigenden Formulierungen, dramatischen Bildern oder absoluten Aussagen. Auch können sie behaupten, der Öffentlichkeit würden wichtige Informationen bewusst vorenthalten. Manchmal wird auch der Umstand, dass die Forschung noch nicht auf alle Fragen eine Antwort hat, als Beleg dafür verwendet, dass Fachpersonen oder wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht vertraut werden könne.

Solche Botschaften bleiben oft besonders gut im Gedächtnis. Sie sprechen Gefühle an, lassen sich leicht weitererzählen und bestätigen mitunter bestehende Überzeugungen oder Ängste. Dadurch können sie glaubwürdig wirken – auch wenn sie wissenschaftlich nur schwach belegt sind.

Verlässliche Gesundheitsinformationen erklären klar, was wir heute sicher wissen und wo noch Fragen offen sind. Sie helfen dabei, Informationen besser zu verstehen und Entscheidungen zur eigenen Gesundheit zu treffen. Sie sollen informieren – nicht Angst oder Misstrauen auslösen.

Gespräche offen und respektvoll führenopen

Fragen und Unsicherheiten rund um die Gesundheit sind normal. Online begegnen viele Menschen verwirrenden oder widersprüchlichen Informationen. In Gesprächen mit Familie, Freunden oder bei der Arbeit können respektvolles Zuhören und ein offener, nicht wertender Austausch Vertrauen und Verständnis fördern.

Wertschätzende Gespräche erleichtern es, Fragen gemeinsam zu klären, Informationen sorgfältig einzuordnen und gemeinsame Ziele wie Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Art, wie über Gesundheit gesprochen und wie Informationen weitergegeben werden, prägt das Informationsumfeld anderer Menschen.

Mit einer Fachperson sprechenopen

Sind Sie unsicher, wie Sie Informationen zu Impfungen einordnen sollen? Haben Sie Fragen zu Ihrer persönlichen Situation? Wenden Sie sich an eine medizinische Fachperson, zum Beispiel an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder an eine Apothekerin oder einen Apotheker.

Fachpersonen können wissenschaftliche Erkenntnisse einordnen, Fragen zu Nutzen und Risiken beantworten und Sie dabei unterstützen, eine gut informierte Entscheidung zu treffen.