Invasive Meningokokken-Erkrankungen

Aktuell empfehlen EKIF und BAG zum Schutz vor invasiven Meningokokken-Erkrankungen (IME) Impfungen gegen die Serogruppen ACWY und B im Rahmen einer ergänzenden Impfempfehlung sowie für Risikogruppen.

Ergänzende
Impfempfehlung:
Impfschemata  

MCV-ACWY
Impfalter12–18 Monate11–15 Jahre
Anzahl Dosen total1 DS (MenQuadfi®)
2 DS (Menveo®;
Alter 12–23 Monate,
Minimalabstand 2 Monate)1 DS
Nachholimpfungbis zum 5. Geburtstag
(1 DS, ab Alter 24 Monate für beide Impfstoffe)bis zum 20. Geburtstag
(1 DS)
Konjugierte quadrivalente Meningokokken-Impfstoffe
4CMenB 
Impfalter3, 5, 12–18 Monate11–15 Jahre
Anzahl Dosen total3 DS
(Bexsero®) 2 Dosen im 1. LJ,
Minimalabstand 2 Monate;
3. Dosis im 2. LJ,
mindestens 6 Monate nach 2. Dosis)2 DS
(Minimalabstand 1 Monat)
Nachholimpfungbis zum 5. Geburtstag
(ab Alter 2 Jahre 2 DS, Mindestabstand 1 Monat)bis zum 20. Geburtstag
(2 DS, Mindestabstand 1 Monat)
Rekombinanter 4-Komponenten-Impfstoff gegen Meningokokken B; DS: Dosenschema; LJ: Lebensjahr

Risikogruppen:
Definition 
    

Personen mit erhöhtem Expositions­risiko Personen mit erhöhtem Erkrankungs­risiko
Personal von Laboratorien, das mit Meningokokken arbeitetDefizite der Terminalfaktoren des Komplementsystems (angeboren oder medikamentös, z. B. Eculizumab, Ravulizumab)
Personen nach einem engen Kontakt mit einem IME-Fall der Serogruppen A, C, W oder Y und bisher nicht gegen Meningokokken geimpfte oder von einer IME (Serogruppen A, C, W, Y oder B) genesene Personen (Postexpositionsprophylaxe; siehe auch Empfehlung zum Vorgehen nach Kontakt mit einem Fall einer IME)Defekt bei der Komplementaktivierung des alternativen Wegs
Rekruten/Rekrutinnen (aufgrund enger räumlicher Verhältnisse)Homozygote Protein-S- und -C-Defizite
Reisende in Endemiegebiete (Reisedauer > 1 Monat) oder Epidemiegebiete (auch bei kurzem Aufenthalt); speziell Reisen in den sogenannten Meningitis-Belt sowie Pilgerreisen.
Expositionsrisiko für Reisende betrifft vor allem Meningokokken der Serogruppen A, C, W, YFunktionelle oder anatomische Asplenie
 Mangelnde Immunantwort auf Polysaccharide
 Mangel an Mannose-bindendem Lektin

Risikogruppen:
Impfschemata
MCV-ACWY 

Serogruppen A, C, W, Y 
Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko
2-6 Monate4 Dosen, 1.–3. Dosis jeweils im Abstand von mind. 2 Monaten, 4. Dosis im Alter von 12–16 Monaten (minimal 6 Monate nach 3. Dosis)*
>7 Monate2 Dosen im Abstand von mind. 2 Monaten (2. Dosis idealerweise ab dem Alter von ≥ 12 Monaten)*
>12 Monate1 bzw. 2 Dosen gemäss Zulassung des verwendeten Impfstoffes**
Booster alle 5 Jahre bei fortbestehendem bzw. erneutem Expositionsrisiko
Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko
2-6 Monate4 Dosen, 1.–3. Dosis jeweils im Abstand von mind. 1 Monat, 4. Dosis im Alter 12–16 Monate (minimal 6 Monate nach 3. Dosis)*
>7 Monate2 Dosen im Abstand von mind. 1–2 Monaten (2. Dosis idealerweise ab dem Alter von ≥ 12 Monaten)*
Booster alle 5 Jahre bei fortbestehendem Risiko

Jeweils Angabe des Alters bei Impfbeginn.
* Menveo® aktuell einziger zugelassener MenACWY-Konjugatimpfstoff für Altersgruppe < 12 Monate
** Menquadfi®: 1 Dosis; Menveo®: 2 Dosen für Alter 12–23 Monate (Abstand 2 Monate, minimal 1 Monat); 1 Dosis ≥ 24 Monate

Risikogruppen:
Impfschemata  
4CMenB  

Serogruppe B
Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko oder erhöhtem Erkrankungsrisiko
2-11 Monate3 Dosen, 1. und 2. Dosis im Abstand von 2 Monaten, 3 Dosis im 2. Lebensjahr, minimal 6 Monate nach 2. Dosis
12-23 Monate3 Dosen, 1. und 2. Dosis im Abstand von 2 Monaten, 3. Dosis 12 Monate nach 2. Dosis
>24 Monate2 Dosen im Abstand von 2 Monaten (minimal 1 Monat)
Booster alle 5 Jahre bei fortbestehendem bzw. erneutem Risiko

Jeweils Angabe des Alters bei Impfbeginn
 

In der Schweiz zugelassene Meningokokken-Impfstoffe 

Stand: September 2026
 

Meningokokken ACWY

  • Menveo®
  • MenQuadfi® 

    Quadrivalente Konjugat-Impfstoffe (MCV-ACWY)

Meningokokken B

Bexsero® 

Rekombinanter 4-Komponenten-Impfstoff (4C-MenB)

Impfreaktionen und unerwünschte Impferscheinungen (UIE)

Gemäss der Literatur sind lokale wie auch systemische Nebenwirkungen mild bis moderat, in der Regel kurzandauernd.

Beim Impfstoff Bexsero® betreffen sie vor allem Säuglinge: Insbesondere bei gleichzeitiger Verabreichung mit Routineimpfungen kann es im Vergleich zur isolierten Verabreichung zu gehäuftem Auftreten von Fieber (74 % vs. 40 %), ausgeprägten lokalen Schmerzen (13–29 % vs. 
3–8 %) und Erbrechen (27 % vs 18 %) kommen. Weitere Informationen finden sich in der publizierten Impfempfehlung von EKIF und BAG. Eine prophylaktische Antipyrese mit Paracetamol bei der Impfung mit Bexsero® kann das Auftreten von Fieber bei Säuglingen deutlich senken.

Internationale Postmarketing-Daten im Rahmen nationaler Impfprogramme zeigten für alle Impfstoffe keine Hinweise für Sicherheitsbedenken.

Die ausführliche Dokumentation von möglichen Impfreaktionen und unerwünschten Impferscheinungen im Rahmen der Zulassung finden Sie auf Swissmedicinfo-pro.

Die Meldung von UIE-Verdachtsfällen erfolgt über das Elektronische Vigilance-Meldeportal (ElViS) von Swissmedic.

 

 

 

 

Postexpositionsprophylaxe 
IME (PEP)

Nach engem Kontakt mit einer an IME erkrankten Person im Zeitfenster der Infektiosität wird eine antibiotische Chemoprophylaxe und eine Impfung empfohlen. Detaillierte Informationen inklusive Definition eines engen Kontaktes finden Sie in der PEP-Empfehlung von EKIF und BAG.

Das Impfschema entspricht dem Schema für Risikogruppen mit erhöhtem Expositionsrisiko (zur Tabelle).

Quelle: BAG Bulletin

Historie der Impfempfehlung

Epidemiologische Daten zeigen im Zeitverlauf eine deutliche Abnahme der IME-Inzidenzen, die mit der Verfügbarkeit von Impfstoffen und ihrer jeweiligen Serogruppen-Abdeckung korrelieren. Mit der Zulassung neuer Impfstoffe wurde auch die Impfempfehlung angepasst.
 

Seit 2024
Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen wird im Rahmen einer ergänzenden Impfempfehlung sowohl eine Impfung zum Schutz vor IME durch Meningokokken der Gruppe B (4CMenB, Bexsero®) als auch durch die Gruppen A,C,W,Y (MCV-ACWY) empfohlen.

Historie der Impfempfehlung

Epidemiologische Daten zeigen im Zeitverlauf eine deutliche Abnahme der IME-Inzidenzen, die mit der Verfügbarkeit von Impfstoffen und ihrer jeweiligen Serogruppen-Abdeckung korrelieren. Mit der Zulassung neuer Impfstoffe wurde auch die Impfempfehlung angepasst.
 

Seit 2024
Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen wird im Rahmen einer ergänzenden Impfempfehlung sowohl eine Impfung zum Schutz vor IME durch Meningokokken der Gruppe B (4CMenB, Bexsero®) als auch durch die Gruppen A,C,W,Y (MCV-ACWY) empfohlen.


2018 – 2023
Von 2018 bis 2023 empfahlen das BAG und die EKIF aufgrund der damaligen epidemiologischen Situation sowie regulatorischer Gegebenheiten eine Impfung mit MCV-ACWY als ergänzende Impfung für Kleinkinder ab zwei Jahren und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren sowie im Rahmen einer Impfempfehlung für Risikogruppen.

Für Letztere ist seit Mai 2022 auch eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B empfohlen.


2007 – 2018
Von 2007 bis 2018 wurde in der Schweiz auf Basis der damaligen Epidemiologie eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C (MenC) 
a) als ergänzende Impfung für 12-monatige Kleinkinder sowie Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren sowie 
b) als Impfung für Risikogruppen empfohlen. 
In der Folge nahmen durch MenC verursachte IME-Fälle ab.